Das CJD - Die Chancengeber CJD Fachklinik Rügen

ADE-POSITAS | In 10 Wochen hat Mohammed 12,4 kg abgenommen und wird in den Sozialen Medien dafür gefeiert und weiter motiviert |

31.01.2019 CJD Fachklinik Rügen « zur Übersicht

Mohammed El-Suboh machte eine Reha in der CJD Nord Fachklinik für Kinder und Jugendliche in Garz auf Rügen. Sein großer Traum ist es Profiboxer zu werden und dafür kämpfte er als bisheriges Schwergewicht Tag für Tag. Mit seinem starken Willen schafft er es in 10 Wochen 12,4 kg abzunehmen und vor allem wird er zum Vorbild für viele andere übergewichtige Jugendliche. Das Video über seine Geschichte wird im Netz fleißig geklickt und so trägt ein zuvor nahezu unscheinbarer Junge dazu bei, dass das Thema Übergewicht und Abnehmen für Jugendliche greifbar wird und er den höchsten Respekt von anderen dafür bekommt.

Es ist ein sonniger Tag auf Rügen, wie so viele diesen Sommer. Dennoch ist, wenn man sich so umschaut, nur wenig los auf dem Klinikgelände der Klinik. Die jugendlichen Patienten sind froh, ihren Sport für heute hinter sich zu haben und verziehen sich erst mal auf ihre Zimmer. Nur einer steht da einsam und alleine auf dem Basketballplatz und versucht immer und immer wieder den Ball in den Korb zu treffen. Das war der Beginn der Geschichte von Mohammed und unserem Versuch diesen Sommer mit unserem neuen Youtube-Kanal der Klinik voll „durchzustarten“.

Die Idee: einen jugendlichen Patienten während seiner Reha mit der Kamera begleiten und dann daraus ein ansehnliches Video zu schneiden, um den Kids da draußen die Hemmungen vor einer Reha zu nehmen und zu zeigen, dass ihnen geholfen werden kann. So waren wir gerade dabei ein mögliches „Opfer“ für unser Filmchen aus unserer Patientenliste rauszusuchen, als das prellende Geräusch eines Basketballs durch das Fenster drang und wir Mohammed dort fleißig Körbe werfen sahen.

Seine Begeisterung, nun tagtäglich mit der Kamera begleitet zu werden, hielt sich in Grenzen, doch er ließ sich zu einem Versuch überreden und wir einigten uns darauf, das Ganze nur zu veröffentlichen, wenn Mohammed die Aufnahmen gefielen. Also hieß es von nun an, wachsam sein, nicht vergessen mögliche Fortschritte von Mohammed vor die Linse zu bekommen und darauf hoffen, dass Mohammed auch fleißig abnehmen würde. Denn was wäre ein Abnehmvideo ohne einen spektakulären Vorher-/Nachher-Vergleich am Ende der Geschichte.

Und so kam es, dass man nach und nach immer mehr von dem Jungen erfuhr und plötzlich ganz nah am Patienten dran war. Schnell erzählte uns Mohammed von seinem großen Traum: Muhammed Ali, Rocky Marciano, Mike Tyson und wie sie alle heißen – er wollte auch zu den Großen gehören und eines Tages als Profiboxer in den Ring steigen. Dafür trainierte er zuhause schon recht fleißig – seinen Angaben nach ging er viermal die Woche zum Boxtraining. Trotz recht aktiven Hobbys schleppte er dennoch schon über längere Zeit zu viele Kilos mit sich und es wurden eher mehr als weniger.

So entschied sich der 13-Jährige schlussendlich zu einer Reha und landete mit einem Startgewicht von 106,8kg bei einer Körpergröße von 1,80m in der CJD Nord Fachklinik für Kinder und Jugendliche in Garz auf Rügen. Zu Beginn noch zurückhaltend, doch stets motiviert, absolvierte Mohammed fleißig seine Therapien und nahm in den ersten drei Wochen stetig ab. Aufgrund seines großen Traums fragte er schon bald, ob denn auch die Möglichkeit bestehe, außerhalb von den Therapien im Sportbereich zu boxen. Also wurde von nun an fast täglich der Boxsack im Gerätebereich angebracht und Mohammed zeigte, was in ihm steckte.

Wo man zu Beginn noch Scheu und Ablehnung gegenüber dem Filmen und der Kamera begegnete, fand man nun ein wachsendes Interesse und Neugier bei den anderen Patienten. Auf einmal wollten immer mehr Jugendliche gefilmt werden. „Können Sie nicht auch mal ein Video über mich drehen?“ – wurde immer öfter gefragt. Mohammed und seine Youtube-Geschichte wurde Kult in der Fachklinik und er begann diese Aufmerksamkeit von allen Seiten immer mehr zu genießen.

Wie viele Patienten hatte auch Mohammed Höhen und Tiefen während seiner Reha. Nach 4 Wochen schwand die Lust auf Sport immer mehr, essenstechnisch leistete er sich den einen oder anderen Ausrutscher und zuletzt wurde er durch eine Erkältung in die Schranken gewiesen. Wenn das Gewicht nur langsam sank oder gar anstieg, war viel Frust und Unverständnis zu verspüren, doch häufig nutzte er diesen auch, um noch mehr Gas im Sport zu geben.

Als Belohnung für die Teilnahme an unserem Youtube-Video durfte er gegen Ende der Reha eines Abends mit ins Boxtraining eines anliegenden Vereins. Je näher wir der Trainingsstätte kamen, umso nervöser wurde Mohammed. Im Training verwandelte sich Mohammed ruckartig wieder in den zu Beginn zurückhaltenden Jungen, der aber begierig alle Tipps der Trainer annahm und das harte Training vollständig durchzog. Am nächsten Tag traf man ihn im Gruppenraum der Jugendlichen mit seinen Boxhandschuhen an, während seine Schultern von einem der anderen Patienten massiert wurden.

Das, was Mohammed an Gewicht in der Reha verloren hat, hat er an Selbstbewusstsein zugelegt. Der Junge am Ende des Videos ist sowohl körperlich, aber noch viel wichtiger von seinem persönlichen Auftreten nicht mehr mit dem unsicheren und schüchternen 13-Jährigen in seiner Vorstellung zu Beginn des Videos zu vergleichen. Dieser Junge hat es geschafft trotz Übergewichts zum Vorbild für alle anderen Patienten zu werden und sogar ein paar Neider gewonnen.

Laut einem unserer neun CJD-Grundsätze „Wir suchen die Herausforderung“, besteht unser Leben ständig aus Hürden, die es zu überwinden gilt. Sei es für Mohammed die Herausforderung, sein Leben Stück für Stück in ein Gesünderes und Aktiveres zu gestalten oder für uns die Herausforderung neue Wege zu finden die Kinder und Jugendlichen zu erreichen und mitzureißen, stets geht es darum, eine Herausforderung zu suchen und diese anzunehmen.

Während das Internet und die sozialen Medien heutzutage vor allem von Erwachsenen größtenteils negativ behaftet werden, ist dies ein Beispiel, wir wie diese Medien auch positiv nutzen können. In Zeiten von unzähligen Fitness- und Diätprogrammen und der Verbreitung wahrer Wundermittel vom Waschbrettbauch zum Sixpack, erfreut sich die Menschheit auch einfach mal zu hören und zu sehen, wie es unserem liebevoll genannten „Hamudi“ ergeht, ganz ohne Diätwahnsinn und Hungern, sondern indem er einfach nur etwas bewusster isst und sich mehr bewegt als sonst – und welch Wunder, es funktioniert!

Heute ist Mohammed’s letzter Tag: zur Feier des Tages hat er sich mit Hemd und schicker Hose fein rausgeputzt. Herr Dr. Nielinger, Chefarzt der Fachklinik, beschreibt es im Nachhinein ganz treffend: „Als er sich von mir verabschiedete, stand da ein großer und starker Junge vor mir. Und er kam insgesamt dreimal vorbei, um Tschüss zu sagen.“ Nach einer letzten festen Umarmung fährt Mohammed mit seinem Vater und seinem Onkel vom Hof und es ist erst mal wieder ruhig auf dem Gelände.

Wir wünschen Mohammed für die Zukunft alles Gute und Gottes Segen.